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Lebensraum Tanganjikasee

Der Tanganjikasee ist mit einer Länge von 670 Kilometer und einer maximalen Breite von 80 Kilometern ein sehr langgestreckter und riesiger Binnensee, der 773 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die tiefste Wassertiefe wurde mit etwa 1470 Meter belegt, somit ist der Tanganjikasee nach dem Baikalsee der zweittiefste Süßwassersee unserer Erde. Anliegerstaaten sind im Norden Burundi, im Osten Tansania, im Süden Sambia und im Westen Kongo (Zaire). In der Regenzeit sind wolkenbruchartige Niederschläge die die Flüsse zu Hochwasser führen und die Sichtweite unter Wasser in den Mündungsgebieten stark beeinträchtigt. Stechinsekten sind zu dieser Jahreszeit zahlreich vorhanden, dafür grünt und blüht alles in tropischem Überfluß überall. Juni, Juli, August wird es kühler am See. Das Wasser hat nur noch eine Temperatur von 23° - 24° Celsius und die Lufttemperaturen sind recht angenehm. An einigen Küstenabschnitten kann eine starke Algenblüte auftreten, ansonsten ist das Wasser relativ klar. Beste Unterwassersichtweiten werden von September bis November angetroffen. Diese Monate sind in der Regel sehr heiß und am Nordende des Sees setzt allmählich die Regenzeit ein. Hierbei muß erwähnt werden, daß am Nordende des Sees die Luftfeuchtigkeit auch während der Trockenzeit allgemein höher ist als an den südlicher gelegenen Küstenabschnitten. In Burundi und im Norden Zaires regnet es gelegentlich auch während unserer Sommermonate. Der Äquator ist allerdings auch nur knappe 400 Kilometer entfernt und somit sind die Differenzen zwischen dem Norden und dem Süden leicht erklärt.

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Im Dezember und Januar steht die Sonne am höchsten über dem See. Neben heißen, trockenen Tagen im Süden, kann es im Norden schwülwarm sein. Da auch in Afrika das Wetter in den letzten Jahren Kapriolen geschlagen hat, sind genaue Angaben natürlich problematisch und nur als Anhaltspunkte zu werten.Je nach Jahreszeit oder Küstenabschnitt, kann das Wasser des Sees eine hohe bis mäßige Transparenz aufweisen. So sind Küstengewässer mit reinen Felsufergebieten meist deutlich klarer in der Wasserfarbe als flache Uferzonen mit sandig-steinigem oder gar sandig-schlammigem Untergrund. Flüsse führen oft sedimentreiches Wasser mit sich, welches zur Regenzeit ganze Buchten eintrüben kann, wie z.B. der Kalambo, der nach starken Regenfällen die Wassertransparenz südlich des Flusses stark beeinträchtigt. Dennoch können auch hier Unterwassersichteweiten von 5-8 Metern erwartet werden. Nur wenige Kilometer nördlich des Kalamboflusses, in Tansania, sind die Wasserverhältnisse dagegen ausgezeichnet, so daß hier eine Sichtweite bis zu 20 Meter erreicht werden kann.Die Wasserdurchsichtigkeit kann also auf nur 10 Kilometer Küstenlänge unterschiedlich ausfallen; dieses hängt auch mit verschiedenen Wasserströmungen und Winden zusammen. So drückt während der Regenzeit ein starker Nordwind das Wasser und die Trübstoffe des Kalambo nach Süden. Weitere große Flüsse die in den See abfließen, sind der Rusisi im Norden bei Burundi, der Malagarasi südlich von Kigoma in Tansania und der Lufubu in Sambia. Der einzige aus dem See ableitende Fluß ist der Lukuga bei Kalemie, der zum Lualaba fließt und später zum Zaire wird.Die Oberflächentemperaturen schwanken jahreszeitlich zwischen 23°C und 28°C. Auch in größerer Wassertiefe wurden nur geringfügig niedrigere Wärmegrade gemessen. Durch die Gleichmäßigkeit der Temperaturen findet kaum ein Austausch des sauerstoffreichen Oberflächenwassers mit dem schwefelhaltigen Tiefenwasser statt. Unterhalb von 200 Meter Wassertiefe werden deshalb nur noch geringe Mengen Sauerstoff gemessen, so daß sich höheres Leben kaum unter zweihundertfünfzig Metern abspielt (Coulter, 1967).Neben der Wassertemperatur sind natürlich auch die chemischen Werte des Wassers von Interesse. So ist das Tanganjikaseewasser reich an gelösten Salzen und entsprechend hoch liegen Karbonat- und Gesamthärte.Die Karbonathärte des Aquariumwassers sollte um etwa 15° liegen und der dGH-Wert schwankt am See zwischen 9° und 11° (Tetra Test, eigene Messung). Der pH-Wert muß wenigstens über dem Neutralbereich liegen. PH-Werte von mehr als 9,0 konnten am Tanganjikasee gemessen werden (Conrad, Micro-pHep +/-0,1 pH, eigene Messung). Weiches, saures Wasser mögen die Fische des Tanganjikasees absolut nicht, dennoch sind die Tiere tolerant genug, um auch etwas niedrigere oder höhere Werte zu vertragen. Anzustreben sind natürlich die Idealwerte. Die meisten Tanganjikasee-Cichliden lassen sich in normalem Leitungswasser problemlos pflegen. Bei Wasserwerten von 10 bis 20 Grad dGH und pH 7,0 bis 8,5 fühlen diese Tiere sich wohl. Das Wasser dieses Sees ist sehr mineralreich. Unter den größeren Grabenseen hat der Tanganjikasee die höchste Salzkonzentration; zweimal so hoch wie der Malawisee und dreimal so hoch wie der Viktoriasee. Drei Viertel des Gesamtsalzgehaltes werden von Karbonaten gebildet: Natrium, Calcium und Magnesium (zwischen 300 und 400 mg/L). Der pH-Wert des Wassers liegt bei 9,5 mit leicht lokalen Schwankungen, die Gesamthärte beträgt 12 bis 14 Grad dH, die Leitfähigkeit 500 bis 600 mS/cm. Ein solch riesiges Gewässer wie der Tanganjikasee hat die unterschiedlichsten Uferzonen und Lebensräume vorzuweisen. Flache, zum Teil versumpfte Buchten lösen steilabfallende Felsküstenbereiche ab. Es sind besonders die steinigen Uferabschnitte, die am See überwiegen, wobei ihre Struktur sehr unterschiedlich sein kann. Neben Geröllfeldern, die aus faust- bis fußballgroßen Steinen bestehen, fallen quaderförmige oder riesige, zum Teil rundgeschliffene Felsen auf. Jedes dieser Biotope kann seine ganz spezielle Fischgesellschaft aufweisen; etliche Arten kommen sowohl in den reinen Fels- als auch in den Geröll- und Übergangszonen vor. Die steinigen Küstenabschnitte sind oft mit Kies- und Sandeinlagerungen aufgelockert. Zum Teil befinden sich am Fuße schrägabfallender Felsformationen sogar größere Sandzonen oder terrassenförmige Vorsprünge, die mit Sand oder Feinkies bedeckt sind.

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Die wohl bekanntesten Arten die in diesen Gebieten leben, sind die Aufwuchsfresser aus der Gattung Tropheus und Petrochromis. Höhlenbrüter aus der Gattungsgruppe Lamprologini sind ebenso zahlreich vertreten wie die sogenannten Fadenmaulbrüter der Gattung Ophthalmotilapia. Riesige Cyprichromis- und Haplotaxodon-Schwärme stehen in einigem Abstand zum Fels und tragen dort ihre Nachkommen im Maul.Die fast immer flach abfallenden Sandbuchten und Strände sind oft trist und öd. Sie bieten dem Taucher nicht viel Abwechslung. Verschiedentlich sind größere Schwärme oder kleinere Gruppen silberfarbener Cichliden zu beobachten, die bodenorientiert oder in einigem Abstand zum Grund leben. Vereinzelt können leere Schneckengehäuse im Sand vergraben sein und kleinen Buntbarschen, den sogenannten Schneckencichliden, Unterschlupf bieten. Taucht man tiefer hinab, so wird der Untergrund immer mehr zu einem sandig-schlammigen, zum Teil aber dennoch festen Gemisch. Hier bauen einige Arten lange Laichröhren bzw. Wohnhöhlen in den festen Boden. Grundsätzlich kann behauptet werden, daß die Artenanzahl in den verstecklosen Lebensräumen geringer ist als in den Geröll- und Felszonen oder den Übergangsbereichen. IDie Individuenanzahl kann aber auch in diesen Gebieten relativ hoch sein. Es handelt es sich dann oft um große Schwärme Xenotilapia-Arten, die von den Aquarianern auch als Sandcichliden bezeichnet werden, obwohl einige Arten dieser Gattung ausschließlich über dem Felsboden vorkommen. In der Freiwasserzone jagen Einzelgänger oder in Verbänden lebende Raubfische die im freien Wasser befindlichen Clupeiden.Diese sind im Tanganjikasee mit zwei Arten vertreten und stellen eine Hauptnahrungsquelle für die am See lebende Bevölkerung dar. Der größte Teil der Tanganjikaseebuntbarsche lebt aber substratgebunden, das bedeutet, daß nur wenige Arten reine Freiwasserzonen aufsuchen. Die Felsencichliden bevorzugen die Räume zwischen, über oder vor dem steinigen Substrat und die sogenannten "Sandcichliden" leben meist auf dem Bodengrund oder halten sich knapp über diesem auf. Große ausgedehnte Pflanzenzonen sind selten unter Wasser anzutreffen. Meist zeigt sich ein üppiger, kurzer Pflanzenbewuchs in flachen Sandbuchten oder Flußmündungsgebieten und im Übergangsbereich von steinigen zu sandigen Biotopen. Die Pflanzenbestände stehen fast immer in den ersten Tiefenmetern, da die Pflanzen lichthungrig sind. Nur wenige Cichliden des Tanganjikasees sind darauf spezialisiert, diesen Lebensraum zu nutzen. Auffällig häufig trifft man auf Simochromis diagramma und Ctenochromis horii und ihre Jungfische. Gelegentlich, aber als Ausnahme zu sehen, ist das Vorhandensein von Petrochromis fasciolatus, denn diese Tiere leben meist in den felsigen Gebieten.

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